Beim Projekt HEAVEN in München-Neuhausen erweitert die Rock Capital Group behutsam einen teils denkmalgeschützten Gebäudekomplex an der Nymphenburger Straße und ergänzt durch modernste Neubauten.
München, (02. Juni 2026): Das HEAVEN, ehemals Bruckmann-Quartier, trägt fast 130 Jahre Stadtgeschichte in sich. Der Dülferbau aus dem Jahr 1898 steht unter Denkmalschutz; um ihn herum wurde das Ensemble bis in die 1960er-Jahre scheibenweise erweitert. „Jede Epoche hat ihren Teil beigetragen. Nun entwickeln wir das Areal zu einem Business-Quartier für die nächsten Jahrzehnte weiter. Wir müssen die Zukunft in einem teils denkmalgeschützten Bestand stets im Kopf behalten“, sagt Andreas Wißmeier, Geschäftsführer bei der Rock Capital Group, die das Gelände seit Herbst 2025 grundlegend überformt. Ein Balanceakt, für den es Architekturprofis braucht.
Für das Projekt hat die Rock Capital Group aus gutem Grund Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht (HSA) mit dem Entwicklungsprozess beauftragt. Das renommierte Büro hat sich bereits mehrfach durch die Transformation historischer Projekte erfolgreich profiliert. So waren die Architekten beim Berliner Schloss ebenso aktiv wie beim Impressionisten-Tempel Museum Barberini in Potsdam mit seiner prächtigen Palazzo-Fassade. In München zeichnete HSA für das Hofgartenpalais und das Rosewood-Hotel verantwortlich.
Architekt Steffen Görn: „Wir haben analysiert, was da ist, und uns gefragt: Was funktioniert heute noch – und was nicht mehr? Wir haben ergänzt, was fehlt, und so wenig wie möglich verändert.“ Das bedeutet in der Praxis: Einige der bestehenden Altbauten werden erhalten und aufgewertet, andere wurden in den vergangenen Monaten zurückgebaut.
Fünf Bauteile – eine Sprache
Das künftige Quartier hat viele Gesichter, die unterschiedlicher kaum sein könnten. An der Nymphenburger Straße tritt mit dem HEAVEN ONE ein heller und ruhig gegliederter Neubau in Naturstein auf. Eine Hommage an den Standort. Denn die Straße ist eine der wenigen echten Boulevards, die München hat. Es gibt mit Bäumen gesäumte Gehwege, gründerzeitliche Trauflinien, eine Abfolge von Einzelbaukörpern, die sich zu einem Ensemble fügen. Die neuen Fassaden greifen diese Logik auf. Andreas Wißmeier: „Die Nymphenburger Straße stellt eine Bühne zur Verfügung. Wir wollten, dass das Quartier dort eine repräsentative Adresse hat – und gleichzeitig neugierig auf das gesamte Ensemble macht. Die Fassadengestaltung hilft uns, dies auszudrücken."
Den Jugendstil künftig spürbar machen
Früher war die Nymphenburger Straße von zahlreichen Jugendstilbauten geprägt. Heute zeigt sie sich als modernes Areal, das diese architektonische Geschichte weiterführt. Eine wichtige Rolle spielt dabei der sogenannte Dülferbau, ein Werk von Martin Dülfer (1859-1942), einem der bekanntesten Vertreter des Jugendstils und der frühen Moderne. Dieses Gebäude zählt zu den bekanntesten Jugendstilgebäuden in München und liegt im Innenhof des künftigen Heaven-Quartiers. Die lebendig und reich dekorierte Fassade bildet eine Brücke zwischen der architektonischen Vergangenheit der Stadt und der innovativen Zukunft, für die das Business-Quartier steht.
Die Architekten öffnen dafür künftig den Innenbereich nach außen. Von der Straße aus wird der Dülferbau durch den Zwischenraum der Straßenbauten sichtbar werden. Im Innenhof dominieren die historischen Strukturen und die Außenräume zwischen den Gebäuden lässt Rock Capital zu einem erholsamen Aufenthaltsort gestalten. Wißmeier: „Die Hofsituation schafft eine Stille mitten in Neuhausen, die man in dieser Lage – 500 Meter vom Stiglmaierplatz – nicht erwartet.“
Zwei Gebäude schaffen Kontraste in der Lothstraße
An der Lothstraße zeigt das Projekt nach Vorstellung der Münchner Architekten seine direkteste Haltung. Die Straße ist schmaler und sehr ruhig. Genau dazu stehen die künftigen expressiven Fassaden im Kontrast. Der sechsgeschossige Neubau des HEAVEN TWO präsentiert sich in hellen, fast weißen Betonfertigteilen mit individueller, moderner, prägnanter Gliederung und großformatigen, loftartigen, dunklen Fensterelementen.
Das kleinere Bestandsgebäude HEAVEN THREE direkt daneben trägt typische rote Klinker und erinnert an Industriebauten des frühen 20. Jahrhunderts. Das Industriegebäude wird als modernes Loft mit hohen Decken und stützenfreien Flächen wiedergeboren. Wißmeier: „Die offene Bürogestaltung schafft eine inspirierende Atmosphäre und fördert kreative Zusammenarbeit. Mit dem Gebäude sprechen wir Unternehmen an, die das Besondere eines echten Loftgebäudes suchen und schätzen. Solche Gelegenheiten gibt es sehr selten.“
Fenster verbinden, Material erzählt von der Geschichte der Arbeit
Trotz ihrer unterschiedlichen Architektur verbindet ein wiederkehrendes Fensterformat beide Gebäude in der Lothstraße und macht ihre Zugehörigkeit sichtbar. Das ist nicht nur der Gestaltung wegen, sondern das, was diese zwei Gebäude gemeinsam haben, die aus verschiedenen Jahrhunderten stammen und dennoch dieselbe Adresse teilen. „Der rote Klinker erinnert an eine Zeit, in der Arbeit noch nach Arbeit aussah, nach Schichtarbeit, Schweiß und etwas Handfestem. Der Beton zeigt, dass Arbeit heute anders ist: präziser, glatter, aber nicht weniger wichtig. Dass sie an derselben Straße stehen, beschreibt den Gedanken des Quartiers perfekt“, sagt Architekt Steffen Görn. Den größten Aufwand bedeuten laut Wißmeier nicht die Neubauten, sondern die alte Bausubstanz, historische Denkmalschutzauflagen und die strukturellen Grenzen des Gebäudes, die zwar die Planungsschritte bestimmen, die aber in der Umsetzung auf keinen Fall dazu führen, dass die zukünftigen Nutzer auf ein im Inneren hochmodernes Arbeitsplatzkonzept und alle Besonderheiten des bewusst gewählten New Work-Konzepts verzichten müssen. „Gerade das ist die Herausforderung und gleichzeitig aber auch die Erkenntnis, dass es gelingen kann, historisch wertvolle Bausubstanz mit den Qualitäten eines aktuellen Neubaus zu verbinden“, sagt Wißmeier.
Görn: „Die Proportionen der Fenster, die Höhe der Eingänge, die Tiefe der Rücksprünge schaffen eine Maßstäblichkeit, die auf den Menschen reagiert. Das Gesamtensemble in seinem Zusammenspiel zwischen alt und neu – das ist es, worauf ich stolz bin.“