Für ein Neubauprojekt in München hat der renommierte Designer Justin Howlett ein Modulbad entwickelt, das mit einem alten Vorurteil aufräumt: Serielle Fertigung muss nicht nach Serie aussehen.
Das Konzept verbindet Materialien wie Keramik und Edelstahl mit gestalterischem Charakter und der Präzision industrieller Vorfertigung.
München, 6. August 2026 – Der in München und Berlin ansässige Interior Designer Justin Howlett findet sich regelmäßig in der von „Architectural Digest“ veröffentlichten AD100-Liste. Für das Projekt Timber Living stand er vor einer besonderen Aufgabe: Wie lässt sich ein Bad gestalten, das vielen unterschiedlichen Menschen gefällt, ohne austauschbar oder beliebig zu wirken? „Mir war es sehr wichtig, etwas zu schaffen, das zeitlos elegant ist“, sagt Howlett. „Wir haben uns deshalb bewusst für eine neutrale Farbwelt entschieden und gleichzeitig die Materialität deutlich über den üblichen Standard gehoben. Der Unterschied zum Gewöhnlichen liegt im Detail.“
Für den Auftraggeber UBM Development wird das Badezimmer damit zum Beweisstück einer neuen Art zu bauen. „Gerade die frühe, millimetergenaue Planung ermöglicht hochwertige Materialien, Details und eine gestalterische Handschrift, die sich in zahlreichen Wohnungen in gleichbleibender Qualität umsetzen lässt“, sagt Christian Berger, Vorsitzender der Geschäftsführung bei UBM Development Deutschland.
Hochwertige Materialien statt vorgefertigter Hotelästhetik
Immer mehr Menschen begreifen das Bad heute als Refugium für Körper und Geist. Aus dem nüchternen Waschzimmer ist ein privater Rückzugsort geworden. Selfcare hat sich zum selbstverständlichen Teil moderner Wohnkultur entwickelt. „Gebaut werden viele Bäder jedoch vielerorts noch immer nach der Logik einer rein technischen Nasszelle“, kritisiert Berger. Das von Howlett entwickelte Konzept für Timber Living geht anders vor: Es behandelt das Modulbad als vollständig gestaltetes Interior-Produkt.
Design, serienreif gedacht
Damit stellt Timber Living eine verbreitete Annahme über das serielle Bauen auf den Kopf. Denn Systembauweise bedeutet in diesem Fall nicht den Verzicht auf gestalterische Qualität. Vielmehr schafft sie die Voraussetzung dafür, einen hohen Anspruch zuverlässig zu reproduzieren. „Wir wollten zeigen, dass sich Hochwertigkeit und serielles Bauen nicht ausschließen“, sagt Berger. „Bei vielen Menschen schwingt aus der Vergangenheit noch der Eindruck monotoner Fassaden, uniformer Grundrisse und billiger Kunststoff-Duschzellen mit. Dabei hat sich das modulare und serielle Bauen längst grundlegend weiterentwickelt.“
Die Bäder für Timber Living werden deshalb nicht erst während des Rohbaus als technische Einheiten geplant. Sie sind von Beginn an Bestandteil des architektonischen und gestalterischen Konzepts. Der Projektentwickler UBM legt dafür Maße, Anschlüsse, Materialien und Details bereits in einer frühen Projektphase exakt fest. „Im Gegensatz zum herkömmlichen Bauen ist die Planungsphase deutlich länger“, erklärt Berger. „Man muss sich sehr früh auf den Millimeter genau Gedanken machen, weil später auch auf den Millimeter genau gefertigt wird.“
Diese Präzision wird zum Qualitätsfaktor. Fliesenarbeiten können unter kontrollierten Bedingungen in der Werkhalle ausgeführt werden. Anstelle von improvisierten Lösungen und wechselnden Rahmenbedingungen auf der Baustelle werden alle Bäder exakt gleich eingebaut. Laut Howlett ist „das Maßarbeit bis ins kleinste Detail“.
An Wänden und Böden werden keramische Feinsteinzeugfliesen des italienischen Herstellers Kronos Ceramiche verbaut. Die massiven Edelstahlarmaturen und die premium Unterbauschränke stammen vom deutschen Hersteller Vallone. Satinierte Glaskugelleuchten des italienischen Designlabels Flos setzen am Spiegel einen wohnlichen Akzent. Auch die Duschen werden bereits mit Glastrennwänden vollständig ausgestattet. Eine Leistung, die bei vielen Bauträgerprojekten selbst in höheren Preisregionen nicht selbstverständlich ist.
Zeitlosigkeit als Nachhaltigkeitsprinzip
Für UBM ist die Gestaltung Teil eines umfassenderen Nachhaltigkeitsverständnisses. Das Münchner Wohnbauprojekt Timber Living wird in Holz-Hybrid-Bauweise realisiert. Die Verbindung von Holzbau und Vorfertigung kann dazu beitragen, Materialien gezielter einzusetzen, Abfälle zu reduzieren und CO₂ langfristig im Gebäude zu speichern.
Auch die gestalterische Langlebigkeit spielt dabei eine Rolle. Ein Badezimmer, dessen Farben und Oberflächen einem kurzfristigen Trend folgen, wird womöglich bereits nach wenigen Jahren als überholt wahrgenommen. Eine zeitlose Gestaltung vermeidet Umbauten und den vorzeitigen Austausch hochwertiger Materialien. „Ein Bad ist erst dann wirklich nachhaltig, wenn es über Modetrends hinaus Bestand hat und nicht nach 15 Jahren erneuert wird, nur weil die Farben nicht mehr modern sind“, sagt Berger.
KASTEN
Exkurs: Vom Waschraum zur Wohlfühlzone
Historisch war das Bad zunächst Luxus, dann Pflichtprogramm: In der Nachkriegszeit diente es vor allem der schnellen Körperhygiene, räumlich klein, gestalterisch nüchtern gedacht. Erst mit dem wachsenden Wohlstand und der aufkommenden Wellnesskultur ab den 1980er-Jahren rückten Atmosphäre, Materialien und Design stärker in den Fokus. Heute gilt das Bad als private Spa-Zone, in der Technik, Komfort und Gestaltung zusammenarbeiten, um nicht nur möglichst lange „funktional schön“ zu bleiben, sondern auch gemeinsam eine angenehme und wohnliche Atmosphäre zu schaffen. Mit dieser neuen Bedeutung steigen auch die Ansprüche an Planung und Gestaltung. Das Bad wird vom nachgeordneten Funktionsraum zu einem eigenständigen Teil der Wohnarchitektur.