Die Rock Capital Group setzt beim HEAVEN-Quartier in München auf 3.460 Quadratmeter historische Pflastersteine als verbindendes Element – ein Bekenntnis zu Nachhaltigkeit, Handwerk und Geschichte.
München, 19. Mai 2026: Sehen, Fühlen, Hören: Tausende historische Pflastersteine werden bei dem Großprojekt in der Nymphenburger Straße im Münchner Stadtteil Neuhausen zum multisensorischen Erlebnis. Dort transformiert die Rock Capital Group mit dem HEAVEN ein altes Areal in ein nachhaltiges, urbanes Business-Quartier mit drei Bestandsgebäuden und zwei Neubauten. „Wir wollen die Geschichte des Ortes bewusst sichtbar machen und weitererzählen“, erklärt Andreas Wißmeier, Geschäftsführer bei der Rock Capital Group. Damit das gelingt, hat das renommierte Landschaftsarchitekturbüro Mahl Gebhard Konzepte einen besonderen Gestaltungsplan entwickelt. Es bezieht sich nicht nur – wie sonst oft üblich – auf die Gebäude, sondern explizit ebenso auf die Außenbereiche, die keine Nebenschauplätze sein sollen.
Boden als verbindendes Herz des Quartiers
Während jedes der fünf Gebäude im Quartier durch die individuelle Fassadengestaltung seinen eigenen architektonischen Mantel hat, sind es die wiederverwendeten historischen Pflastersteine, die das gesamte Areal zu einer zusammenhängenden Einheit machen. Sie strukturieren die Freiräume und Wege, Aufenthaltsbereiche sowie Grünflächen und verbinden sie räumlich miteinander. Damit wird der Boden klarer als strukturierendes Freiraumelement positioniert und nicht wie oft üblich, nur als verbindende Fläche. „Die unterschiedliche Wahrnehmung von Fassade und Boden verleiht dem Quartier eine besondere Tiefe, die weit über die visuelle Architektur hinausgeht“, schwärmt Korbinian Pröckl, Asset Manager bei der Rock Capital Group. Die Fassaden sind primär visuell, während der Boden multisensoriell durch Haptik, Akustik und Optik erlebbar ist. Die Fassade der 1896 erbauten Dülfer-Jugendstilvilla im Herzen des Areals schlägt einen Bogen aus dem letzten Jahrhundert in die Gegenwart. Pröckl: „Es ist erstaunlich, dass Bodengestaltung in Außenbereichen oftmals keinen größeren Stellenwert genießt. Gerade bei historischen Belägen stellen sich so viele Fragen. Wie haben Schuhe und Pferdehufe früher darauf geklungen? Wie war der Hall im Quartier? Wie läuft es sich heute darauf und wie fühlt es sich an? Wie verändert sich der Belag zu verschiedenen Tageszeiten und bei Wettereinflüssen? Die Antworten auf diese Fragen prägen die Identität eines Quartiers. Diese Qualität wollen wir beim HEAVEN heben“, sagt er.
Deswegen hat sich die Rock Capital Group nicht nur im Sinne der Nachhaltigkeit entschieden, den vorhandenen Bodenschatz aufzubereiten. Die historischen Pflastersteine vor dem ursprünglichen Verlagsgebäude wurden sorgfältig entnommen und werden derzeit aufbereitet, bevor sie wieder verlegt werden. Dennoch bleibt die Qualität der historischen Abnutzung erhalten, was einen ganz besonderen Charme hat. Bei einer Fläche von rund 3.460 Quadratmetern erfordert dies aufwendige Handarbeit und höchste Präzision. Pflastersteine zählen zu den ältesten Bauformen der Stadtgestaltung. Sie gehören zu den traditionsreichsten Elementen des Städtebaus und prägen seit Jahrhunderten das Erscheinungsbild historischer Stadtkerne. Das HEAVEN knüpft bewusst an diese Tradition an. „Die komplexe Aufgabe des Projekts liegt in der behutsamen Entnahme der historischen Steine vor Beginn der Tiefbauarbeiten, ihrer Aufbereitung und Qualitätsprüfung sowie der fachgerechten Wiederverlegung“, erklärt Franziska Pfläging, Landschaftsarchitektin bei Mahl Gebhard Konzepte. „Die Pflastersteine sind nicht streng geometrisch, sondern organisch geführt und verknüpfen Wege, Plätze und Grünräume zu einem fließenden, natürlichen Gesamtraum, der Bewegung und Aufenthalt gleichermaßen ermöglicht.“ Organisch meint in diesem Fall sowohl die geschwungene Formgebung als auch die Art, alte und neue Elemente miteinander zu verschmelzen.
Mehr als 150 Jahre Haltbarkeit
Während Asphalt- oder Betonflächen nach 20 bis 40 Jahren großflächig saniert werden müssen, können hochwertige Pflastersteine weit über 150 Jahre halten. Es muss kein neues Material gewonnen werden, was ökologisch sinnvoll ist und die graue Energie minimiert. Die Wiederverwendung der historischen Steine spart nicht nur Ressourcen, sondern garantiert auch außergewöhnliche Dauerhaftigkeit.
Gepflasterte Bodenflächen sind so aufgebaut, dass Regenwasser durch die Fugen versickern kann. Das entlastet die Kanalisation, fördert die lokale Grundwasserneubildung und trägt zur Klimaresilienz des Quartiers bei. Beschädigte Steine lassen sich einzeln austauschen.
Pfläging: „Die historischen Pflastersteine bringen ihre Geschichte sichtbar mit – Abnutzungsspuren, Farbvariationen und kleinere Unvollkommenheiten. Diese werden als gestalterische Ressource verstanden, die dem Freiraum Authentizität, Tiefe und Charakter verleiht und sich erst durch Nutzung, Bewegung und Aufenthalt im Alltag vollständig entfaltet. Die Kombination aus alten Steinen und neuer Fassade schafft eine einzigartige belebende Atmosphäre, die weder rein historisch noch komplett modern ist.“
Grünräume und Vegetation als lebendige Ergänzung
Die Pflastersteine allein sind jedoch nur ein Teil der Außenflächengestaltung. Ergänzt wird das Pflasterkonzept durch sorgfältig platzierte Bäume, mehrschichtige Staudenpflanzungen und Grünflächen. „Diese grünen Elemente durchbrechen die Härte des Steins und sorgen für Aufenthaltsqualität“, erklärt Pfläging. Vom Innenhof bis zu den Dachterrassen finden sich künftig Grünflächen, die die organischen Formen der Steine fortführen. Dazu wandern die Schatten der künftigen Bäume lebendig durchs Quartier und sorgen für Abkühlung. Mehrschichtige Staudenbeete mit wechselnden Blühaspekten bringen über die Jahreszeiten Farbe in das Areal und fördern gleichzeitig die urbane Biodiversität.
Andreas Wißmeier: „Die großflächigen, gärtnerisch gestalteten Dachterrassen auf den verschiedenen Gebäuden sind ein echtes Alleinstellungsmerkmal: Variabel möblierbar dienen sie als Meeting-Zonen und Rückzugsräume, als Fläche für Unternehmensevents, Teambuilding-Maßnahmen oder Sommerfeste.“ Diese Strategie bindet CO2, hält Regenwasser und reduziert Hitzeinseln. Vor allem aber entstehen so im Quartier zusätzlich nutzbare Flächen ohne weitere Bodenversiegelung.
Hintergrundkasten: Sensorisches Erleben
Der Boden aktiviert mindestens drei Sinne gleichzeitig – die optische Wahrnehmung des Musters, das haptische Erleben unter den Füßen und die akustische Dimension durch die Geräusche. Jeder Schritt auf dem Pflaster erzeugt einen charakteristischen Klang. Das rhythmische Klackern von Absätzen, das gedämpfte Abrollen von Sneakern und das Rollen von Fahrrädern oder Rollkoffern schafft eine akustische Kulisse, die typisch für urbane Freiräume ist und sich deutlich vom stummen Asphalt unterscheidet. Unterschiedliche Verlegmuster und Steinformate erzeugen verschiedene Laufgefühle – von uneben über rau bis hin zu glatt. Die Muster und Formate werden gezielt genutzt, um bewegungsintensive Wege von ruhigeren Aufenthalts- und Platzbereichen zu unterscheiden. Das macht das Gehen zu einem bewussten, sinnlichen Erlebnis. Dazu verändern Pflastersteine ihr Erscheinungsbild drastisch je nach Lichteinfall, Wetterlage und Jahreszeit. Der Boden wird zu einer lebendigen, sich wandelnden Komponente des Quartiers, die nie gleich aussieht. Hellere Steine bleiben im Sommer kühler und schaffen angenehmere Aufenthaltsbereiche, während dunklere Bereiche Wärme speichern.