Hamburg, 5. März 2026. Noch nie war die Bereitschaft zur Veränderung in Europas Laboren so ausgeprägt – und noch nie wurden Labormitarbeitende so stark ausgebremst. Das zeigt das neue Starlab Stimmungsbarometer 2026, für das über 360 Labormitarbeitende aus sechs europäischen Ländern befragt wurden. Unter dem Titel „Ready to unlock: Was Europas Labore lähmt, welche Hebel Wirkung entfalten“ zeichnet die aktuelle Studie der Starlab International GmbH ein vielschichtiges Bild. Wachsende Innovationsbereitschaft trifft auf strukturelle Blockaden, Finanzierungsprobleme und Stress.
Finanzierung wird zur größten Herausforderung
Erstmals steht fehlendes Budget an der Spitze der größten Herausforderungen: 44 Prozent der Befragten nennen fehlende Finanzierung als ihr Top-Problem im Jahr 2026. Im Vorjahr dominierten steigende Preise beim Verbrauchsmaterial (42 Prozent) die Sorgen der Branche. Heute ist es der grundsätzliche Mangel an finanziellen Mitteln. „Das Problem scheint weniger konjunktureller als struktureller Natur. Das ist ein Warnsignal“, sagt Benedikt Geldmacher-Voss, Head of Starlab Group. „Wenn die Finanzierung zur Nummer-eins-Sorge wird, gerät die gesamte Zukunftsfähigkeit der Branche unter Druck.“
Gespart wird an den falschen Stellen
57 Prozent der Labore haben aktive Sparmaßnahmen eingeleitet – ein leichter Rückgang gegenüber 64 Prozent im Vorjahr. Doch wo gespart wird, ist alarmierend: 74 Prozent kürzen bei Geräten und Infrastruktur, also genau dort, wo morgen geforscht werden soll. 54 Prozent stoppen Neueinstellungen. Ein Widerspruch in einer Branche, die schon heute unter Personalmangel leidet. 22 Prozent streichen zuerst bei Weiterbildung und Konferenzen. „Wer bei Zukunftsinvestitionen spart, spart an seinem eigenen Fundament“, mahnt Geldmacher-Voss. Die Zufriedenheit der Labormitarbeitenden ist im Vergleich zum Vorjahr spürbar gesunken: Waren 2025 noch 76 Prozent glücklich mit ihrer Arbeit, sind es heute nur noch 63 Prozent. Jede dritte befragte Person berichtet zudem von einem hohen oder sehr hohen Stressniveau.
Die Bereitschaft zum Wandel ist größer denn je
Trotz aller Blockaden zeigt die Studie eine Branche, die zukunftsorientiert denkt. Beispiel Nachhaltigkeit: 78 Prozent haben bereits Recycling-Programme implementiert, 67 Prozent setzen auf Sammelbestellungen zur Ressourcenschonung, 58 Prozent nutzen Mehrwegsysteme. 64 Prozent würden recycelte Materialien einsetzen, wenn die Qualität stimmt – der Grundsatzwiderstand gegen nachhaltige Produkte ist nahezu verschwunden. Als Motivatoren für mehr Nachhaltigkeit nennen 42 Prozent Umweltschutz und 36 Prozent Kostenersparnis – zusammen rund 80 Prozent mit intrinsischer oder ökonomischer Motivation.
Auch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind laut Starlab in den Laboren angekommen. 46 Prozent nutzen KI bereits gelegentlich, 13 Prozent sogar regelmäßig. Nur 15 Prozent haben Angst vor Jobverlust. Die Branche begegnet dem Thema entspannt und pragmatisch. Bei den Zukunftskompetenzen liegt interdisziplinäres Denken mit 61 Prozent an erster Stelle und das noch vor digitalen Kompetenzen (54 Prozent) und Soft Skills (47 Prozent). Ein überraschender Befund: 64 Prozent der befragten Labormitarbeitenden bewerten soziale Kompetenzen als gleichwertig oder wichtiger als fachliches Know-how, der Vorreiter ist Deutschland mit 74 Prozent.
Potenziale freisetzen – der Aufruf zur Handlung
„Das Potenzial für den Wandel ist vorhanden – es muss nur freigesetzt werden. Ready to unlock bedeutet: Die Schlüssel liegen auf dem Tisch“, sagt Lennart Walter, Produktmanager bei Starlab, verantwortlich für TipOne-Pipettenspitzen, die sich als Starlabs meistverkauftes Produkt etabliert haben. Dass Kunden bereit sind umzudenken, wenn man ihnen den richtigen Rahmen gibt, zeigt der TipOne Recycling-Service als konkretes Beispiel: Labore schicken gebrauchte PP-Verpackungen ein, Starlab verarbeitet sie zu Granulat und stellt daraus neue Racks her – ein vollständig geschlossener Materialkreislauf. Die Entwicklung spricht für sich: Die Teilnehmerzahl stieg von 23 Prozent der registrierten Kunden in 2024 auf 31 Prozent in 2025, die produzierte Menge an Mahlgut wuchs im gleichen Zeitraum von 60 auf 100 Tonnen, ein Zuwachs von knapp 68 Prozent. „Nachhaltigkeit ist kein reines Umweltthema, sondern ein Kostenhebel. Wer ganzheitlich über Abteilungsgrenzen hinweg denkt, sieht, dass sich bei Lüftungsraten, Temperaturen und veralteten Routinen viele Einsparpotenziale heben lassen. Dieses Einsparpotenzial kann bewusst reinvestiert werden in KI-kompetentes Personal, zukunftsfähige Technik und nachhaltige Prozesse.“
Recycling-Programme, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Innovationsbereitschaft sind in den Laboren laut Starlab Barometer längst keine Wunschvorstellung mehr. „Die Stimmungslage in Europas Laboren mag bewölkt sein und manchmal braucht es Regen, damit etwas wächst. Nachhaltigkeit, Kooperation und Innovationsbereitschaft sind jedoch bereits gesät. Die Labore haben die Werkzeuge, den Willen und das Wissen. Jetzt brauchen sie die richtigen Rahmenbedingungen und den Mut, bestehende Strukturen zu hinterfragen und selbst zu ändern“, sagt Benedikt Geldmacher-Voss.
Über die Studie
Seit 2021 erhebt Starlab jährlich das Stimmungsbild der europäischen Laborbranche. Für das Stimmungsbarometer 2026 – die sechste Erhebung in Folge – befragte das Unternehmen im Januar 2026 insgesamt 368 Labormitarbeitende aus Deutschland, dem Vereinigten Königreich, der Schweiz, Italien, Frankreich und Österreich. Die Teilnehmenden wurden über den Starlab-Newsletter, LinkedIn sowie die Unternehmenswebsite erreicht. Die Mehrheit der Befragten (58 Prozent) arbeitet als Labormanager oder Labortechniker. Weitere Teilnehmende sind Master-, PhD- und Post-Doc-Studierende (8 Prozent), Einkäufer (8 Prozent), Forscher und Medizinforscher (7 Prozent), Professoren und Projektleiter (4 Prozent) sowie Labordirektoren (2 Prozent). 13 Prozent sind in sonstigen Laborbereichen tätig.